«Zusammenhalt ist gefragt» 

Die Menschheit hat die Erde geformt, spätestens seit ihrer Sesshaftwerdung. Ab etwa 10'000 vor Christus begannen die Menschen den Boden zu bearbeiten, sich nicht mehr mit dem zu begnügen, was die Natur ohnehin abwirft. Sie graben das Erdreich um, sie pflanzen an, sie verstehen, wodurch ein Boden fruchtbarer wird. Sie leiten Wasser um und graben Brunnen, um es aus der Tiefe heraufzuholen. Und sie setzen die Macht des Feuer ein, um ihr Leben angenehmer zu machen.

Die Definition des Anthropozäns setzt dessen Beginn in der Mitte des 20. Jahrhunderts an, der Zeit, in der die Menschheit exponentiell zu wachsen begann. Man kann aber noch viel weiter zurückgehen, denn die Menschen haben schon viel früher angefangen, ihre Umgebung so zu formen, wie es für sie den grössten Ertrag brachte. Denn schliesslich brauchten sie Nahrung, Wasser, Wärme, später auch Fuhrwerke und Bauwerke, die ihnen Schutz vor den wilden Tieren und den Naturgewalten boten. Jedoch führte dies dazu, dass schon früh Spuren hinterlassen wurden. Die Römer trugen ihren Beitrag mit der Abholzung der Mittelmeerregionen dazu. In Eisbohrkernen der Arktis findet man Spuren von Blei, verursacht durch die Menschen der Antike, welche damals schon Erzverhüttung betrieben haben. Damals sah man das als irrelevant an, doch mittlerweile haben sich die Spuren mit dem Wachstum der Bevölkerung ausgeweitet, so dass wir nun den Trümmern gegenüberstehen, die wir erzeugt haben. Die Erde droht zu kollabieren!

Wir sind schon bald acht Milliarden Menschen auf der Erde, auf welcher die Technosphäre die Biosphäre an Gewicht übertrifft. Ich denke, es ist sicher für viele Menschen ein Segen, denn es bietet ein sicheres und komfortables Leben. Doch es ist in vielerlei Hinsicht auch eine grosse Katastrophe, denn der Klimawandel mit dem ansteigenden CO2-Gehalt ist nur eines der Probleme, mit denen wir zu kämpfen haben. Die Ausbreitung der menschlichen Spezies geht ebenfalls mit einer enormen Dezimierung der Artenvielfalt einher, ein Prozess, der sich so weit ausbreiten kann, dass er die Art trifft, die das Anthropozän herbeigeführt hat, uns Menschen selbst. Man darf hierbei nicht nur die Erfinder, die die Maschinerien hervorgebracht haben, die nun sehr viel zu den Spuren beitragen, verantwortlich machen, denn es gehören gewissermassen alle dazu. Wie der kanadische Dichter Boonaa Mohammed richtig sagt: «When looking for faults use a mirror, not a telescope.»[1] Ich meine, die Menschheit ist bisher schon viele Schritte gegangen und dabei immer grösser geworden, aber nun scheint sie an einem Punkt angekommen zu sein, an dem es nur mit einem kritischen Blick auf das Getane weitergehen kann. Denn ohne eine Reflexion und Verarbeitung des Geschehenen werden wir direkt in unseren eigenen Abgrund gehen, ohne vorher auch mit der Wimper zu zucken.

Eine Frage, die mich während der ganzen Bearbeitung dieses Themas verfolgt hat, lautet, ob das Schicksal genau dieser Herausforderung für uns gewollt hat, damit wir über unseren eigenen Schatten springen. Ich meine, gäbe es den Klimawandel und alle dazugehörigen Probleme nicht, wären wir Menschen nicht wirklich gezwungen neue, innovative, effiziente und nachhaltige Techniken zu entwickeln. Obwohl wir das Können und Wissen hätten, hätten wir es nicht benötigt oder erst spät. Durch diesen Ausnahmezustand kommt dieses Wissen aber zur Geltung. Ein weiterer Faktor, der sich gewissermassen daraus ergibt, ist, dass wir Menschen zusammenhalten und gemeinsam an einem Strang ziehen müssen, damit wir dieses Problem bewältigen können. Auch wenn es vielleicht ein wenig abstrakt und zynisch klingen mag, finde ich: Klimawandel schweisst die Menschen zusammen.

«Ein Traum, den man allein träumt, ist nur ein Traum. Ein Traum, den man zusammen träumt, wird Wirklichkeit.»[2] Dieses Zitat von Yoko Ono trifft sehr gut auf unsere Situation zu, denn es zeigt, dass wir zusammenhalten müssen, denn sonst wird unsere Gesellschaft in einem Chaos enden. Laut der Risikoanalyse des WBGU[3] wird der Klimawandel ohne Gegenmassnahmen in den kommenden Jahrzenten die Anpassungsfähigkeit vieler Gesellschaften überfordern. Das kann zu einer Ausbreitung von Gewalt und Destabilisierung führen kann, was die nationale und internationale Sicherheit bedrohen wird. Im Gegensatz dazu kann, resp. könnte der Klimawandel Staatengemeinschaften zusammenführen und stärken, wenn sie ihn als Menschheitsbedrohung ansehen würden. Dies ist aber nur durch eine energische und weltweit abgestimmte Klimapolitik möglich, welche die Entstehung eines anthropogenen Klima unterbinden sollte. Wenn dies nicht gelingt, wird der Klimawandel zu einer Spaltung führen, welche Verteilungskonflikte mit sich bringen wird, wie zum Beispiel der Kampf um Wasser und Land. Ich denke aber, dass bei einer solchen drastischen Entwicklung des Geschehens nicht nur ein Konflikt um Güter und Land bestehen wird, sondern vielmehr der Konflikt um Kompensationszahlungen, die geleistet werden müssten von den Verursacher des Klimawandels an die Länder, die die destruktiven Auswirkung tragen müssen und kein Zuhause haben werden. Nun liegt es an uns, dies mit gemeinsamen Kräften zu verhindern.

«Vor allem aber müssen wir die Liebe und die Empathie für die Natur erneuern, die wir verloren haben, als wir unseren Flirt mit dem Stadtleben begannen. ... Selbst zu Shakespeares Zeiten waren Städte klein genug, dass er an einem Ufer spazieren gehen konnte, an dem wilder Thymian blühte... Heute sind Städte so riesig, dass nur wenige Bewohner je das weit entfernte Landleben kennenlernen.»[4] Was mich am traurigsten macht am ganzen Klimawandel, ist die Vernichtung unseres Lebensraumes und der Mutter Natur. Denn wie James Lovelock, Wissenschafter und Vordenker der Ökologiebewegung, in seinem Zitat richtig schreibt, wird die Natur immer mehr verdrängt und ihre Schönheit wird nicht mehr geschätzt. Seit ich klein bin, verbringe ich sehr viel Zeit in der Natur und ich merke die Veränderungen, die sich dort abspielen. Darum müssen wir jetzt handeln, damit dies aufhört und unsere Kinder und Enkel auch die Magie der Erde erleben können, denn diese ist lebenswert.

HJ, Weiblich, 17

[1]Boonaa, Mohammed. Quotefancy. https://quotefancy.com/quote/1784173/Boonaa-Mohammed-If-you-re-looking-for-faults-use-a-mirror-not-a-telescope (Abgerufen: 13.01.2021)

[2] Yoko, Ono. Fortinet. https://k-w-z.ch/29-team-spruche-und-zitate-uber-die-zusammenarbeit-im-team/#:~:text=%E2%80%9CZusammenkommen%20ist%20ein%20Beginn%2C%20Zusammenbleiben,Fortschritt%2C%20Zusammenarbeiten%20ein%20Erfolg.%E2%80%9D&text=%E2%80%9CEin%20Traum%2C%20den%20man%20alleine,zusammen%20tr%C3%A4umt%2C%20wird%20Wirklichkeit.%E2%80%9D&text=%E2%80%9CJede%20Arbeit%20ist%20wichtig%2C%20auch%20die%20kleinste (Abgerufen: 13.01.2021)

[3] WBGU: Wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen

[4] Lovelock, James (2006) Gaias Rache, warum die Erde sich wehrt. Ullstein TB.

 
 

Lieber heute als morgen

Mit dem Beginn des Anthropozän fing der Mensch an, seine Umgebung so stark zu verändern, dass seine Aktivitäten einen bleibenden Schaden an unserem Erdsystem verursacht haben werden. Das Bevölkerungswachstum, der Wasserverbrauch, der Kohlenstoffdioxidgehalt in der Atmosphäre, die Plastikproduktion und der Rückgang des Regenwaldes und der Biodiversität stiegen seit Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts exponentiell, und es scheint nicht so, als ob dieser Anstieg in absehbarer Zukunft langsamer wird. Doch trotzdem kann man eine Veränderung beobachten. Mit dem Aufkommen des Klima-Aktivismus wurde der Klimawandel zu einem breit diskutierten Thema und rückte es auch in der Politik weiter in den Vordergrund. Aber trotz all diesen positiven Veränderung hat sich ein grosses Problem in unserer Gesellschaft noch nicht gelöst: der Konsum.

Viele Firmen haben den Klimaschutz als Marketing-Strategie entdeckt. So bringen grosse Firmen neuerdings immer mehr Produkte auf den Markt mit recycelter Verpackung oder mit einer nachhaltigeren Produktion. Bio-Produkte wurden in den letzten 20 Jahren immer beliebter. Auch wenn das sicherlich kein Schritt in die falsche Richtung ist, ist der positive Effekt minimal. Ich denke, dass das Kaufen solcher Produkte vor allem dafür da ist, um dem Konsumenten ein besseres Gefühl zu verschaffen, und den Klimawandel nicht wirklich stoppt. Der Wissenschaftsjournalist Mathias Plüss hat dieses Problem gut auf den Punkt gebracht: «Wenn wir es ernst meinen mit dem Klimaschutz, dann kommen wir nicht umhin, uns ein wenig einzuschränken.»[1] Es geht nicht nur darum, zwischen einem herkömmlichen und einem nachhaltigen Produkt zu entscheiden. Es geht darum, ganz zu verzichten. Das Problem ist aber, dass sich solch eine Denkenweise in den nächsten zehn Jahren wohl kaum durchsetzen wird. Viele Menschen wollen auf ihre jetzigen Privilegien nicht verzichten. Ich selbst muss ehrlicherweise sagen, dass es bei meinem Lebensstil noch viel zu verbessern gibt. Aber solch ein Umdenken braucht Zeit.

Doch wir können nun mal nicht ewig so weitermachen. Irgendwann wird unsere Umwelt nicht mehr mitmachen. Unsere Erdöl-Reserven werden irgendwann zu Ende gehen. Es wird irgendwann keinen Regenwald mehr geben. Die Gletscher und Eiskappen werden irgendwann geschmolzen sein. Die Korallenriffe werden irgendwann alle abgestorben sein. Ein Grossteil unserer Biodiversität wird irgendwann verloren sein. Und dieses Irgendwann kommt schneller auf uns zu, als viele meinen würden. Miles Silman, Professor für Biologie an der Wake Forest University in North Carolina, sagt zu dem Artensterben Folgendes: «Wenn die Evolution so funktioniert, wie sie es gewöhnlich tut, sieht das Aussterben – wir nennen es nicht Aussterben, sondern sprechen beschönigt von biotischen Abgängen – schon eher apokalyptisch aus.»[2] Wenn wir so weitermachen, wird unsere Zukunft apokalyptisch sein. Allein schon das Nachdenken über die Zukunft dieser Welt macht mir Angst. Ich habe keine Ahnung, wie das Lebe der Menschheit in 30 oder 40 Jahren aussehen wird. Auch wenn es bei dem Artensterben und dem Klimawandel grundsätzlich vor allem um Fakten geht, ist die Diskussion für mich unglaublich emotional. Es geht nämlich nicht nur um das Retten der Eisbären und Bienen. Es geht um unser zukünftiges Leben. Die klimatischen Folgen unseres jetzigen Handelns werden sich erst in 20 oder 30 Jahren bemerkbar machen. Diese Ungewissheit sollte uns doch allen zu schaffen machen. Uns dazu bewegen, das Problem selbst in die Hand zu nehmen und den Klimawandel gemeinsam zu bekämpfen. Doch wie man bis jetzt sehen kann, funktioniert das nicht. Unsere Wirtschaft ist noch zu sehr darauf ausgerichtet, kurzfristig durch Billigproduktion im Ausland möglichst viel Gewinn zu machen. Jeglichen Klima-Schutz auf die Eigenverantwortung der Konsumenten zu schieben, funktioniert nicht. Während der jetzigen Pandemie, kann man gut sehen, wie schwierig es für die meisten Menschen ist, ihr Verhalten so anzupassen, dass es anderen nicht schadet. Um den Klimawandel effektiv bekämpfen zu können, braucht es Gesetz und Anreize, die von Staaten durchgesetzt werden. Und das so schnell wie möglich. Bis sich diese Veränderungen aber durchsetzen werden, wird es aber noch mehrere Jahre dauern, wenn nicht Jahrzehnte. Die weltweite Politik setzt sich immer noch mehrheitlich für unsere jetzige Wirtschaft ein. Auch wenn man in vielen Ländern in den letzten Jahren einen Aufstieg grüner Parteien sehen konnte, wird das noch lange nicht genug sein, um grosse Änderungen zu vollbringen.

Die Entwicklung des Klimaschutz zu beobachten ist sehr frustrierend und nervenaufreibend. Wir brauchen Klimaschutzmassnahen, lieber heute als morgen. Trotzdem wollen die meisten politische Parteien, die heute gewählt werden, mit der Wirtschaft Gewinn machen. So werden aber die Wirtschaft und die Zukunft kommender Generationen aufs Spiel gesetzt.

SF, weiblich, 17

[1] Mathias Plüss. (2020) Weniger ist weniger. Magazin, 47, S. 22-24.

[2] Elisabeth Kolber. (2017) Das 6. Sterben, Suhrkamp Verlag, Berlin, S. 176.

"Lifere nöd lafere"

Der leere Opernplatz. Überall verstreut liegen beschrieben Plakate wie: «Rettet die Welt, das ist unsere Zukunft» Neben dem Abfalleimer liegt eine Coladose und ein angebrochenes McDonalds Menü. Vor wenigen Minuten war der Platz noch gefüllt - eine Klimademonstration. Wenn der Begriff «Fridays for future» fällt, kann sich jeder ein Bild davon machen. Viele junge engagierte Leute tun sich zusammen, wollen etwas verändern und ziehen gemeinsam durch die Strassen für eine bessere Welt. Wie man in den 80er-Jahren sehen konnte, sorgen solche Demonstrationen für einen grossen Aufruhr. Das Thema ist in aller Munde. Die Wahrnehmung der Gesellschaft wird verändert, da einem bewusst wird, wie ernst die Lage ist. Man selbst nimmt sich vor, etwas gegen den Klimawandel zu tun. Doch geht man dann mit der Einstellung nach Hause, Opfer zu bringen?

 

«Die Klimakrise erinnert an Werke Dürrenmatts. Oft eine Apokalypse ohne Hoffnung auf das neue Jerusalem. Dürrenmatts «Tunnel» etwa ist mit Blick auf die Klimakrise beklemmend aktuell: Die Fahrgäste machen sich keine grossen Sorgen, solange der Fahrplan stimmt. Ins nichts fallend, tun sie nichts.»[1] , stellt Felix Reich, Journalist und Leiter von reformiert.zuerich fest. Fast alle sind sich einig, dass man dringend etwas gegen den Klimawandel unternehmen muss. Doch jeder redet nur, Taten folgen kaum. Es scheint, als würde der Mensch einzig sein eigenes Gewissen aufpolieren wollen, indem er zum Beispiel auf besagte Klimademonstrationen geht, sich dabei gut fühlt, denn er hat ja etwas Gutes für die Welt getan. Dann aber nächste Woche auf den Urlaub zu verzichten ist keine Option. Der Mensch entzieht sich der Verantwortung, mehr gegen den Klimawandel zu unternehmen. Dies liegt wohl daran, dass es sich bei den Kundgebungen um einen Trend handelt, durch die Medien aufgeputscht und gross gemacht. Nur die allerwenigsten stehen dahinter, gehen nicht nur hin, weil es zurzeit Mode ist. Sie nehmen die Last auf sich, radikal das Leben umzukrempeln um möglichst klimaneutral zu leben. Diese Personen werden dann aber allzu oft belächelt und als Öko-Freak gesehen. Lächerlich ist der Typ des Gutmenschen, der sich sein schlechtes Gewissen durch den «modernen Ablasshandel» freikauft. Beim Buchen eines Fluges kann man CO2 Kompensationen zahlen. Sicherlich sind Projekte von myclimate, wie die Regenwaldaufforstungen sehr wirkungsvoll, aber wird so nicht die wirkungsvollste Variante verschleiert? Der Verzicht! Strikt auf alles Klimaschädliche zu verzichten ist unrealistisch. Wichtig wäre, dass man die tiefhängenden Früchte erntet und dies nicht nur individuell, sondern staatsübergreifend. Bevor man zum Beispiel in Industrieländern mit bereits hohen Standards noch bessere Filteranlagen einbaut, könnte man in Schwellenländern mit dem gleichen Geld einen vielfach höheren Effekt erzielen. Ist es den Industrieländern vielleicht wichtiger lieber selbst eine weisse Weste zu wahren, statt beizutragen, dass es zu grossen Veränderungen kommt? «Think globally, act locally»[2] Gemäss diesem Slogan muss man als Individuum «den inneren Schweinehund überwinden» und damit leben, dass man auf einigen Luxus verzichten muss. Der Mensch mag meist rational denken. Lange durchzuhalten, auf etwas zu verzichten, ohne die sofortige Auswirkung zu sehen, ist er aber meist nicht im Stande. Deshalb liegt die Verantwortung bei Fachleuten, über Massnahmen zu entscheiden und beim Staat sie, durchzusetzen. Dem steht aber die Demokratie im Wege, da der Mensch lieber nach seinem Egoismus wählt und Entscheidungen zu lange brauchen, bis sie umgesetzt werden. «Wir sitzen in einem riesigen Auto, das auf eine Steinmauer zurast und jeder diskutiert darüber, wer wo sitzen darf.»[3], bringt es der Umweltaktivist David Suzuki auf den Punkt. Liegt die Lösung also in einer Klimadiktatur? Die Hegemonie einer Regierung auf den Klimaschutz zu reduzieren, erscheint mir nicht sinnvoll. Zurzeit ist der Mensch unehrlich zu sich selbst. Selbstreflexion und Verantwortungsbewusstsein hat der Welt noch nie geschadet.

 

TM, männlich 17

[1] Felix Reich Aus der reformierten Kirchen Zeitung Männedorf (2020)

[2] David Brower Gründer des Earth Day (1970)

[3] David Suzuki Umweltaktivist

 
 

Warum der Klimawandel ein so grosses Problem für uns ist

»Das Schicksal unserer eigenen Spezies beschäftigt uns offensichtlich in überproportionalem Ausmass», schreibt Elisabeth Colbert in ihrem Buch zum Artensterben. Nach dem Lesen der Texte hat es mich überrascht, wie sehr wir uns immer um die Zukunft unserer eigenen Spezies sorgen und im gleichen Atemzug die anderer Lebewesen und deren Lebensgrundlage, ohne mit der Wimper zu zucken, zerstören. Wir sind bei weitem das intelligenteste Tier. Trotzdem stützen wir uns auf das Recht des Stärkeren, was eigentlich als primitiv gelten und in einer hoch entwickelten Zivilisation, in der ebenfalls Empathie eine Rolle spielt, nicht mehr vorhanden sein sollte. Wir sind doch so stolz darauf, dieses Faust-Recht aus unserem «fairen» Europa entfernt zu haben, wie kommt es, dass wir diesen Gedanken nicht auf die wehrlosen Tiere übertragen können? Bei all der Nächstenliebe sollte doch auch noch etwas für diese übrig sein.  

Das Problem hierbei ist der menschliche Charakter. Wir sind viel stärker mit dem Gedanken «Jeder ist sich selbst der Nächste» als mit dem der Nächstenliebe verbunden. Die einzige Lösung, die sich uns also bietet, um den Klimawandel zu verlangsamen, ist einen Nutzen, respektive eine Strafe für den einzelnen zu finden. Deshalb sind Gedanken wie eine CO2-Steuer ein sehr guter Anfang, jedoch sind die Ansätze viel zu niedrig. Ein weiteres grosses Problem sehe ich darin, dass für die meisten Politiker vor allem das Wohl der einheimischen Wirtschaft wichtig ist. Da die meisten Transportwege nicht gerade umweltfreundlich sind, ist hier der Widerspruch offensichtlich. Entscheidet man sich für die Wirtschaft und spendet dabei ein wenig Geld, um in den «billigeren» Länder mit weniger Aufwand alibimässig etwas für unser Klima zu machen? Oder macht man das Nötige, um wirklich etwas zu verändern? Meiner Meinung nach muss hier viel Druck seitens der Regierung ausgeübt werden, um dieses Nötige zu erreichen. Dazu passt die Aussage von Mathias Plüss, einem Wissenschaftsjournalisten, der viel zu Thema publiziert hat: »Niemand wird gerne an seine Unzugänglichkeit erinnert. Ein Trick, der vielleicht helfen kann: die ökologische Überlegenheit nicht an die Glocke hängen. … Man soll vor allem von seinem Kampf mit dem inneren Schweinehund reden. Das Problem ist, dass wir heute schon zu viele Menschen auf diesem Planeten sind, um alle mit einem «europäischen» Fussabdruck zu leben. Trotzdem erstreben alle genau das. Auch unsere Population hat noch lange nicht ihr Maximum erreicht, somit ist es unausweichlich, dass wir immer weiter in die Natur vorstossen, an Orte, die nicht für uns bestimmt sind. Dabei verdrängen wir die dort ansässigen Spezies und setzen uns auch den dortigen Krankheiten aus, auf die unser Organismus nicht vorbereitet ist. Ein umgekehrtes Beispiel dafür ist die Entdeckung Amerikas durch Kolumbus. Es gelang den Europäern vor allem die Überhand zu gewinnen, weil sie neue Krankheitserreger mitbrachten, die grosse Teile der Indianer dahinrafften. Jedoch stossen nicht nur wir in diese neuen Territorien vor, im Gepäck haben wir noch unsere Pflanzen und Nutztiere. Was diese Nutztiere in anderen Ländern anrichten können, in denen sie keine natürlichen Feinde haben, hat zum Beispiel das Kaninchen in Australien gezeigt. Durch dieses Verhalten des Menschen nimmt die Artenvielfalt immer weiter ab. Auch hier zeigt sich wieder der begrenzte Horizont des Menschen, denn Spezies, die uns auf den ersten Blick nichts bringen, braucht es auch nicht unbedingt, so die engstirnige Logik. Was das für Auswirkungen auf das gesamte Ökosystem haben kann, ist uns erst in den letzten Jahren richtig klar geworden. »Wenn sich der Homo sapiens nicht beschränkt, wird er vielleicht nicht nur zur Ursache des sechsten Artensterbens, sondern auch zu seinem Opfer», so Richard Leaky, der Autor eines Buches zum Thema. Durch den Rückgang der Artenvielfalt gibt uns der Boden viel weniger. Das heisst, wenn immer nur die gleichen Tiere und Pflanzen dort leben, wird er schnell ausgelaugt, da diese immer dieselben Stoffe benötigen und der Vorrat nicht ewig reicht. Einen ersten Ausweg hat der Mensch zwar in den Düngemitteln gefunden, damit aber viele Gewässer weltweit in Todeszonen umgewandelt. Oder wie es Paul Ehrlich, auch er ein Autor zum Artensterben, auf den Punkt brachte: «Indem die Menschheit das Aussterben anderer Spezies bewirkt, sägt sie den Ast ab, auf dem sie sitzt.», ich bin ein grosser Freund der Demokratie, dennoch bin ich der Meinung, dass man es einem Grossteil der Bevölkerung nicht zutrauen kann, zu ihrem langfristigen Besten zu handeln. Man sagt immer, man solle niemanden zu seinem Glück zwingen; in diesem spezifischen Fall stimme ich da nicht zu. Ich denke, dass demokratische Prozesse für den Klimawandel schlicht und einfach zu langsam sind. Man muss erst viel Aufklärungsarbeit leisten und sich gleichzeitig schlichtes Leugnen der Tatsachen von der Gegenseite anhören. Das Lustige ist ja, dass sich genau die Parteien, die sich gegen starke Einschränkungen stellen, heute schon ein Problem mit dem «Übermass an Flüchtlingen» haben. Die Folgen des Klimawandel wären aber viel verheerender. Wie soll man denn guten Herzens Millionen von Klimaflüchtlingen den Eintritt ins eigene Land verwehren, wenn man weiss, dass man selbst daran schuld ist? Spätestens dann sind wir gezwungen, etwas von unserem Wohlstand abzugeben. Warum also warten, bis man von den Ausseneindrücken gezwungen wird, wenn man es jetzt schon machen könnte, und dabei noch viel besser wegkommt? Wie Mathias Plüss in einem Artikel schreibt: »Wenn wir von Corona eines lernen können, dann dies: Es wird ohne Verbote nicht gehen.», genau das ist ein Problem: Da Regierungen nur in Zeiten wie Corona, in denen eine Ausnahmesituation herrscht, solche Beschlüsse einfach fällen können, wird es sehr lange dauern, bis drastische (nötige) Massnahmen beschlossen werden, denn man wird auch auf die langsamere Hälfte der Bevölkerung warten müssen. In unserer Gesellschaft will man niemanden zurücklassen, auch wenn man es sich zum Teil wünschen würde.  

L.R., männlich, 17 

Der Kampf gegen den Komfort

Wir sind zu spät. Das Klima hat uns schon lange eingeholt oder sogar überholt. Früher lag die Hoffnung auf dem Fortschritt neuer Techniken – was heute nicht anders ist –, doch aus der heutigen Sicht hat sich diesbezüglich kaum etwas verändert. In einem Interview mit Bruno Latour, welches ich während der Themenwoche Klimawandel gelesen haben, sagte er: «Im Fortschrittsdenken war es die Zukunft – mit dem implizierten wissenschaftlichen und technischen Fortschritt -, von der man eine Lösung erhoffte. Doch heute scheint diese Zukunft bereits verspielt zu sein.»[i] Ich blieb an diesem Satz hängen und las ihn mehrere Male. Ich verstehe ihn so, dass er der Naivität der Menschheit die Schuld gibt. Wir hoffen auf eine Innovation, eine Art, etwas neu anzugehen, wie wir es schon die letzten 1000 Jahre machten. Doch dieses Mal ist es anders. Wir haben keine Zeit. Ob das Rad jetzt 100 Jahre später erfunden worden wäre oder nicht, würde in der ganzen Evolution der Menschheit keine Rolle spielen. Ob wir jetzt oder in 100 Jahren auf erneuerbare Energien wechseln aber schon. Die Uhr tickt, und zwar immer schneller, oder, wie Bernd Scherer in einem F.A.Z.-Beitrag ausführt: «Für die Politik bedeutet dies: sie muss in immer kürzeren Zeittaktungen Entscheidungen treffen, die immer langfristigere Konsequenzen zur Folge haben.» [ii]

Die Situation sieht auswegslos aus. Die Demokratie scheint zu langsam zu sein, um etwas zu bewirken. Die Jugend kämpft gegen ihre Zukunft. Wir müssen aufhören, unseren Komfort zu schützen und endlich «unseren inneren Schweinehund», von dem der Wissenschaftsjournalist Mathias Plüss in diesem Zusammenhang spricht, bezwingen und dem Klima helfen. 

Ich und auch ganz viele andere Jugendliche in meinem Alter müssen uns nun entscheiden, ob sie Autofahren wollen oder nicht. Beschämenderweise habe ich mich dafür entschieden, es zu lernen. Obwohl ich genau wusste, wie umweltschädlich es ist. Trotzdem übertönt der Komfort eines Autos die inneren Stimmen der Vernunft. 

 

«Wenn wir von Corona eines lernen können, dann dies: Es wird ohne Verbote nicht gehen.» [iii] Die Pandemie ist eine Übung für die Menschheit. Nur dass diese Übung vorübergeht. Zu Beginn haben wir das Coronavirus unterschätzt. Als allmählich mehr Ansteckungen in der Schweiz gemeldet wurden, wurden Massnahmen empfohlen. Bleiben Sie Zuhause! Tragen Sie eine Maske! Doch die Mehrheit der Bevölkerung befolgten diesen Rat nicht. Erst als es hiess, es gäbe einen Lockdown und Maskenpflicht, wurden die Massnahmen auch wirklich umgesetzt. Erst die Pflicht brachte die Schweiz zeitweise an ihr epidemiologisches Ziel. Menschen sind Komforttiere. Genau das haben wir in der Corona-Zeit gelernt. 

Wenn man nun dies aufs Klima überträgt, wird einem schnell bewusst, wie dringend Massnahmen sind. Wir wissen nun schon seit sehr vielen Jahren, dass Autofahren, Fliegen und Fleisch essen sehr schädlich fürs Klima ist trotzdem scheint es uns egal zu sein. 

 

Je mehr man sich mit dem Thema beschäftigt, desto mehr weiss man, was man alles nicht tun sollte, und desto nebliger wird der Blick in die Zukunft. Das ist sehr beängstigend und vielleicht auch für manche Menschen schädlich. Trotzdem dürfen wir das Thema nicht totschweigen. Das Traurige ist, das wir auf die Politik warten müssen. Auf die Politiker, welche die Fridays for Future-Demos belächelt haben und sagten, es sei nur ein Weg der Jugend, um die Schule zu schwänzen. «Wir brauchen in den Parteien, in den Parlamenten, in der politischen Auseinandersetzung die Stimmen der Jugendlichen, um differenzierte Lösungen zu finden.» [iv] Das muss zuerst mal allen klar werden. Die Jugend hat Ideen. Ideen, um ihre Zukunft einzuschränken, um sie zu retten. 

 

Zum Schluss möchte ich noch ein Zitat meines Deutschlehrers einbringen, welches er in seinem Wochenbrief bezüglich der Klimathemenwoche verfasst hat. Als die Klimawoche angekündigt wurde, war ich enttäuscht. Ich dachte mir: Was will die Schule uns bezüglich des Klimas jetzt noch Neues beibringen? Doch das war nie das Ziel. Die Schule hat erreicht, dass ich mich dem Thema aussetze. «Das Thema während einer Woche zu behandeln heisst nicht, es abzuhaken, um es nachher beiseite legen zu können. Es geht auch nicht darum, es in den Griff zu bekommen. Vielmehr ist das Gegenteil der Fall: Wir müssen uns ihm aussetzen.»[v]

 

M.H, männlich, 18

 

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[i]Ortoli, Sven. Was ist die Natur. Philosophie Magazin Sonderausgabe, 16, Seite 16.

[ii]Scherer, Bernd. (01.04.2020). Wir müssen lernen, die Welt neu zu sehen. Frankfurter Allgemeine, Seite 5.

[iii]Plüss, Mathias. Weniger ist weniger. Das Magazin. Seite 25.

[iv]Zimmermann, Martin. Kuezh.ch. https://www.kuezh.ch/aktuelles/wochenbrief/detailansicht/wir-brauchen-jugendliche-die-sich-engagieren (Abgerufen: 2021.01.09)

[v]Berthold, Jürg. Kuezh.ch. https://www.kuezh.ch/aktuelles/wochenbrief/detailansicht/wir-sitzen-alle-im-gleichen-boot(Abgerufen: 2021. 01.09)

 

Verzicht ist mühsam

Ich stehe im Laden und blicke auf ein riesiges Regal, das mit Früchten und Gemüse gefüllt ist. Orangen von Peru, Mangos aus Brasilien und Tomaten aus Italien. Eigentlich wollte ich nur schnell einkaufen, doch wenn ich auf die Herkunftsorte der Lebensmittel sehe, fällt es mir schwer, mich für etwas zu entscheiden. Sind die Orangen aus Peru oder doch die Tomaten aus Italien ökologischer? Sollte ich saisonale Früchte kaufen? Unverpackt? Alles Fragen, die mir durch den Kopf gehen, wenn ich Lebensmittel kaufen soll. Nach langem Hin und Her nehme ich die Äpfel aus der Schweiz, dabei wird mich hoffentlich kein schlechtes Gewissen plagen. Durch die vielen Gespräche in der Schule, Artikel, die ich gelesen habe, und vor allem Ereignisse, die ich mitbekomme, weiss ich, dass es jetzt umso wichtiger ist, sich mit dem Thema Umwelt und Klimaerwärmung zu befassen, denn die Veränderungen in der Natur sind mittlerweile nicht mehr zu übersehen.

Vor knapp einem Jahr, kann ich mich erinnern, war es hier im Februar 16 °C warm, man hätte meinen können, dass es schon Mitte Frühling war. Der Sommer wird wärmer und trockener und der Winter schneeärmer und milder. An Weihnachten vor drei Jahren lag sogar in den Bergen kein Millimeter Schnee. Für mich sind das Ereignisse, die mittlerweile nicht mehr sonderlich speziell oder aussergewöhnlich sind. Für mich ist es normal, dass im Mittelland im Winter meistens kein Schnee liegt, doch ich weiss, dass meine Grossmutter den Zürichsee noch gefroren erlebt hat und sie darauf Schlittschuhlaufen konnte. Ich hingegen bin meistens schon überrascht, wenn die Temperaturen im Winter unter null Grad fallen. Meine Eltern erzählen mir, dass sie in den Bergen Temperaturen von -40°C in der Nacht erlebt haben, was ich eigentlich schon fast unvorstellbar finde. Wenn ich diese Geschichten höre, sage ich ehrlich, dass ich Angst vor der Zukunft habe und mir Sorgen um die Natur mache. Das Beunruhigende ist, dass es für den Menschen immer unmöglicher wird, die Folgen richtig voraussagen zu können, denn die Faktoren, die mitspielen, sind zahlreich. Dieses Ungewisse ist bedrückend, denn man weiss nicht wirklich, was auf einen zukommen wird. Natürlich habe ich Mitleid mit den Eisbären, die elend verhungern müssen, weil ihnen die Nahrung unter den Füssen wegschmilzt, und mit all den Tieren, die wegen der Erwärmung sterben werden. Doch vielmehr fürchte ich mich vor der Zukunft. Wie wird es in 20 Jahren aussehen? In 50 Jahren? Haben wir es bis dahin geschafft, eine Lösung zu finden und ein Gleichgewicht wiederherzustellen? Ich hoffe es. Doch nur hoffen reicht nicht. Die Chance, die wir jetzt noch haben, müssen wir packen. Damit wir dies hinbekommen, müssen wir als Gemeinschaft arbeiten und Leute unterstützen, die gute und umsetzbare Ideen haben. Ich denke, dass es wichtig ist, dass man an die Sache nicht nur mit Negativität und Angst herangeht, denn das hindert einen nur an konstruktivem Handeln. Man darf vor den unangenehmen und beängstigenden Fakten nicht die Augen verschliessen, doch dass man dabei realistisch bleibt und Energie in lösungsorientiertes Denken investiert, ist meiner Meinung nach umso wichtiger.  «Wir müssen nun aus dem, was unvermeidlich wird, einfach das Beste machen. Und da bin ich eigentlich zuversichtlich: Die Schweiz, Deutschland, die Alpenländer sind reich, sie haben hervorragende Technologien, hervorragendes Wissen, sie werden etwas Vernünftiges machen können»[1], meint Wilfried Häberlin, emeritierter Geographieprofessor der Universität Zürich und Mitglied des Organisationskomitees der Gletscherinitative. Wenn wir mit dieser Einstellung weiterdenken werden, hoffe ich, dass die Suche nach Lösungen erfolgreich sein wird.

Dass man die Lösungen umsetzen kann, gehört jedoch Verzicht dazu. Ein Beispiel ist gerade die Gletscherinitiative. Sie verlangt, dass die Schweiz bis 2050 kein Treibhausgas mehr ausstossen soll. Dass dies funktioniert, müssen wir als Gemeinschaft versuchen, dieses Problem in den Griff zu bekommen. Dafür braucht es aber eine gewisse Aufklärung, die im Moment bei vielen noch fehlt. Die meisten kennen die Klimaerwärmung, doch können die möglichen Gefahren und Lösungen nicht einordnen. Um das Klima schützen zu können, muss man wissen, wo die Probleme liegen, und eventuelle Lösungen kennen, um sie umsetzen zu können. Das setzt Wissen voraus. Ein zweites Problem ergibt sich daraus, denke ich, dass viele kein Interesse haben, sich für das Klima einzusetzen. Es ist ihnen sehr wohl bewusst, dass es an der Zeit wäre, etwas zu unternehmen, doch es fehlt ihnen der Anreiz. Ich kann ehrlich sagen, dass ich mich da teilweise auch einschliessen muss. Fehlende Motivation ist für mich komplett nachvollziehbar, denn das eigene Konsumverhalten zu drosseln ist unangenehm. Es bedeutet, dass man immer mehr aufs Fliegen verzichtet, weniger Auto fährt, keine grossen Häuser mehr baut, mehr zuhause bleibt. Ich habe sicher auch keine «Lust», auf diese Dinge zu verzichten, aber allein über die Erderwärmung zu diskutieren reicht nun mal nicht, um die Natur und auch uns zu retten.

Wenn man die schlimmsten Szenarien, die eintreten können, betrachtet, wird einem unwohl, denn niemand möchte in einer verbrannten Welt leben. Um den Verzicht kommen wir nicht herum. «Aber wir sprechen hier von echtem Verzicht, und der tut richtig weh. (…) Weniger ist weniger» [2], wie es der Wissenschaftsjournalist Mathias Plüss treffen ausdrückt. Der Verzicht wird sicher mühsam sein, doch das Resultat, das wir davon haben werden, hoffe ich, umso schöner. Und wenn wir unseren Blick darauf richten, wird es funktionieren.

HG, w, 16

[1] Wilfried Haeberli: Interview 4. Juli 2016, Alps Magazine

https://www.alps-magazine.com/alpenleben/gletscher-zukunft-interview-mit-wilfried-haeberli/(zuletzt abgerufen: 14.01.2021, 11:03).

[2] Mathias Plüss: «Weniger ist weniger», 21.November 2020, Das Magazin (zuletzt abgerufen: 14.01.2021, 11:34).

 
 

Was verlieren wir?

In der unbewegten Stille unter tausenden von Tonnen Wasser ruht ein weisser Friedhof. Ein Ökosystem, das früher zum Lärm von riesigen Fischschwärmen und spriessenden Nesseltieren summte, ist verstummt. Fast senkrecht schiessen Korallenwälle aus den Tiefen des Meeres und führen aus der Einöde der weiten, leeren Ozeane in ein farbiges biologisches Wunder. Farblos sind heute aber hunderte von Riffen an der Nordküste von Australien.

«Riffe werden wahrscheinlich die ersten grossen Ökosysteme sein, die [vom Menschen] zerstört werden.»[1], so die Autoren einer Publikation aus dem Jahre 2009. 225 Millionen Jahre waren Korallenriffe Biodiversitätshotspots unter Wasser, ein paar hundert Jahre menschliche Industrie sollten ihnen schon bald ein jähes Ende bereiten. «Manche geben ihnen bis Ende des Jahrhunderts, andere noch weniger.»[2], fasst Elisabeth Colbert den Stand der Forschung zusammen. Als eines der ersten Opfer des durch den Menschen gemachten Klimawandel werden die marinen Architekturmegakunstwerke sterben.

Doch als Menschen verlieren wir weit mehr als nur die Natur und ihre unglaublichen Wunder. Mit dem Klimawandel verlieren wir einen Kampf mit uns selbst. Einen Kampf, der aussagt, ob wir unseren Platz als führende Spezies auf unserem Planeten verdient haben. Einen Kampf, der aussagt, ob wir berechtigt sind, die Zukunft für unseren Planeten zu bestimmen. Seit Beginn der Industriellen Revolution im späten achtzehnten Jahrhundert begaben wir uns auf einen nicht nachhaltigen Pfad. Wir begannen, einen Lebensstil zu leben, für den die Ressourcen unseres Planeten langfristig nicht reichen würden. Anfangs war uns das verzeihbar, wir wussten nicht, was wir taten, wir waren Kinder, die mit einem Funken in einem mit Stroh gefüllten Stall spielten. Aber nach und nach entstanden Theorien, die zu Befürchtungen übergingen, und Feststellungen, die zu Reue über das frühere Nichthandeln wurden. Und noch immer schreitet der menschengemachte Klimawandel voran.

Die Klimakrise ist ein Problem, das uns alle betrifft. Alle Nationen und Völker sind von der Zerstörung, die durch die Erhitzung des Planeten ausgelöst wird, betroffen. Wir stehen geeint vor diesem Feind oder zumindest sollten wir es. «Natürlich, Gewinn ist verlockend, aber wie konnte ein solcher Egoismus entstehen, der uns nicht davor zurückschrecken lässt, andere und sich selbst für Geld oder Macht in Gefahr zu bringen?»[3], sagt der Schweizer Psychologe Bertrand Piccard. Wenn wir es nicht einmal schaffen zusammenzuhalten, unsere egoistischen Streitigkeiten für einen Moment in zur Seite zu legen, in Anbetracht eines Problems, das grösser ist als unsere kleinen, persönlichen Bedürfnisse, dann ist das eine Enttäuschung in die ganze Menschheit. Wir würden zeigen, dass es auf uns keinen Verlass gibt und wir bis zum bitteren Ende nur für uns selbst schauen.

 «Denn der Mensch allein ist des Menschens Feind.»[4], rappt der deutsche Musiker Gzuz in einem gesellschaftskritischen Lied. Die Erderhitzung ist von uns selbst erschaffen. Unsere Autos, unser Fleisch und unsere Heizungen sind es, die das Klima anfeuern. Nur wir können die Schuld auf uns nehmen und wir können niemand anderen dafür beschuldigen. Wir haben mit vollem Bewusstsein etwas in Gang gesetzt, das wir nicht mehr zu kontrollieren vermögen. Mit Absicht und vollem Eigeninteresse haben wir die tropischen Urwälder gerodet, unsere Ozeane mit Plastikinseln der dreifachen Grösse Frankreichs verhässlicht und die Luft, die wir selbst atmen, mit Tonnen an von Schadstoffen vergiftet. Der Klimawandel zeigt, dass wir nicht fähig sind, unser Handeln zu verantworten. Wie viel Zerstörung werden wir noch bringen? Müssen wir uns zuerst selbstzerstören, bevor wir aufhören, unseren Planeten zu töten?

 

LI, männlich, 17 

Literaturverweis:

[1] Charles Sheppard, Simon K. Davy und Graham M. Pilling, The Biology of Coral Reefs, Oxford 2009, S. 278.

[2] Elizabeth, Kolbert, 2017, Das 6. Sterben, Suhrkamp, Berlin, S. 136.

[3] Bertrand Piccard, 2020, Sind wir alle Psychopathen?, Blick, S. 2.

[4] Kristoffer, Klaus, Guck mich um, High und Hungrig, distri, 2014.

 

Verzichten für eine bessere Welt

Es klingt schon fast verrückt. Eine einzige Spezies erobert eine scheinbar endlose Welt. Dafür muss ein System aufgebaut werden, welches gewisse Bedingungen erfüllt: eine intelligente Führung, eine sichere Nahrungsquelle, eine Basis oder ein Nest, ein sicheres Transportnetz sowie eine sehr grosse Anzahl Individuen. Es gibt nur wenige Spezies, die diese Anforderungen erfüllen. Dazu gehören die Ameisen (Formicidae), welche Territorien bis zu 100 Quadratkilometer aufbauen können. Sie transportieren Nahrung über mehrere Kilometer in Ameisenstrassen. Geführt wird die Kolonie von einer Königin. Eine weitere Spezies, welche ein riesiges Territorium aufweist, ist der Mensch (Homo sapiens). Auch er erfüllt die oben genannten Bedingungen: Landwirtschaftliche Nutzflächen überziehen grosse Teile der Erdoberfläche mit geometrischen Mustern, Megastädte wuchern über schier endlose Flächen und Strassen winden sich selbst durch die unzugänglichsten Orte.

Die Ameise und der Mensch unterscheiden sich aber grundlegend. Die Ameise lebt nachhaltig und hat Feinde. Sie sammelt Überreste von Tieren, Ästchen und Blätter, um die Kolonie zu ernähren oder das Nest auszubauen. Sie lebt mit der Gefahr, jederzeit von einem Fressfeind getötet zu werden. Der Mensch hingegen lebt wie ein intelligentes Bakterium: Er vermehrt sich rasend schnell, lebt verschwenderisch, beutet die Umwelt aus und hat keine Feinde. Dies führt dazu, dass er die ganze Welt erobert hat. Sein Territorium umfasst den ganzen Planeten. Durch seinen deutlichen Vorteil gegenüber allen anderen Lebewesen lebt er wie ein Bakterium: aufbauen, ernähren, vermehren. Das hinterlässt Spuren: Gewaltige Erz- und Kohleminen, Raffinerien, Industrieanlagen und Schiffshäfen. Selbst im Erdreich ist er präsent: Zu finden ist Beton, welcher das Fundament für seine zahlreichen Häuser bildet, Aluminium, welches Bestandteil von vielen lebenserleichternden Gadgets seiner Zeit ist, und sogar Radionukleotide, welche es seit Jahrmilliarden nicht mehr gegeben hat. Mit seinem Einfluss auf das gesamte Erdsystem läutet er eine neue Epoche ein: das Anthropozän.

«Das Anthropozän ist kein Schicksal, sondern eine Herausforderung»[1], sagt Kai Niebert, Professor für Didaktik der Naturwissenschaften und Nachhaltigkeit an der Universität Zürich.  Wie wahr diese Aussage ist, erkennen sogar Laien: Wir als Menschen haben durch unser bakterielles Verhalten, Aufbauen, Fressen und Vermehren, eine langwierige Veränderung des Systems Erde bewirkt. Das Klima wird wärmer, Meere versauern und Arten sterben aus. Wir handeln jedoch schlauer und beobachten unser Umfeld. Wir bemerken diese Veränderungen und senden Spezialisten aus, um diese zu untersuchen. Sie alle kommen zurück mit einer Antwort, welche inzwischen allen bekannt ist. Diese Veränderung ist durch uns ausgelöst worden und führt in eine negative Richtung. Bald ist es zu spät, um noch etwas zu unternehmen. Und das gilt für alle. Wir wissen es. Der Mensch ist ausserdem so intelligent, dass er die Veränderungen mithilfe mathematischer Modelle beschreiben kann. Er ist sich seiner Lage bewusst. Doch diese bleibt unverändert. Es hat den Anschein, als ob wir nichts unternähmen. Sehen und nichts unternehmen. Das ist unverantwortlich und dumm. Dies führt zu einem Widerspruch. Eben noch habe ich behauptet, dass wir Menschen intelligent seien. An dieser Stelle muss ich erwähnen, dass ich in zwei Aussagen teilweise Unrecht habe.

Einerseits sind wir sicher nicht dumm. Wir haben technische Mittel und kulturelle Praktiken entwickelt, mit denen wir bei allen möglichen Umweltbedingungen leben können: Wir haben isolierte Häuser in eiskalten Gebieten errichtet. In heissen Regionen schützen uns Schattenspender, Klimaanlagen und helle Kleidung.

Andererseits ist die Aussage über die Untätigkeit betreffend dem Klimawandel gewagt. Wir Menschen ergreifen Massnahmen. Wir unterzeichnen Abkommen, um gemeinsam mit anderen Staaten unser verschwenderisches Verhalten einzudämmen und uns zu bremsen. Wir stellen Gesetze auf, die die negative Entwicklung des Klimas abbremsen sollen. Wir versuchen, auf grünen Strom auszuweichen. Nachhaltigkeit wird immer wichtiger. Wir reden uns mit dem Befolgen dieser Gesetze und «nachhaltigem Denken» ein reines Gewissen ein. Etwas ist jedoch klar: Unsere Massnahmen reichen bei weitem nicht. Damit möchte ich nicht sagen, dass Gesetze schlecht sind. Sie stellen einen Schritt in die richtige Richtung dar.

Man kann aber noch so viele Gesetze verabschieden und einführen, an den Emissionen wird sich wenig ändern. Die Produzenten wechseln von einer schädlichen auf eine weniger schädliche Produktion. Die CO2-Regulierung wäre gering. Es scheint eine Sackgasse zu sein: Keine Gesetze zu erlassen führtn zu einer Verschlechterung, Gesetze führen zu geringen Verbesserungen. Was soll man jetzt tun? «Wir müssen jetzt anfangen, die tiefhängenden Früchte zu ernten»[2], bringt es Wilfried Häberlin, emeritierter Professor für Geographie an der Universität Zürich, auf den Punkt. Es ist jetzt an der Zeit, die erreichbaren, einfachen Dinge zu tun. Wir müssen das tun, was jeder tun kann. Das ist einfach, sehr sogar. Jeder kennt kennt sie insgeheim sie, will aber nicht der erste sein. Die Lösung gegen den Klimawandel lässt sich in einem Wort beschreiben: verzichten.

Brauche ich ein Auto? Muss ich mit dem Flugzeug reisen? Brauche ich das neueste Smartphone? Die Antwort ist jedem selbst überlassen. Jedoch sollte einem bewusst sein, dass man Fahrrad statt Auto fahren, einen Zug statt ein Flugzeug benutzen und mit anderen Menschen live statt über einen Bildschirm reden kann. Hier kann wiederum verzichtet werden: Kann ich nicht zu Fuss statt mit dem Fahrrad zum Freund gehen? Muss ich zwingend nach Italien reisen? Brauche ich die neuesten Schuhe? Dito.

Antworten auf solche Fragen zu geben, resp. konsequent nach ihnen zu leben und verzichten, ist schwierig. Auch für mich. Wir alle leben im Überfluss, und es fällt uns schwer, uns von unseren gewohnten Möglichkeiten und Annehmlichkeiten zu trennen. Dies gilt für Vermögende und Durchschnittsverdienende. Hinzu kommt, dass jeder einzelne seinen Beitrag dazu leisten muss. Nur gemeinsam können die Konsequenzen eingedämmt werden. Jeder Mensch auf der Erde sollte ehrlich mit sich selbst sein und sich fragen: Brauche ich das wirklich? Wenn jeder diese Einstellung hat, kann der Klimawandel abgeschwächt werden. Verzicht ist die einzige Lösung.  

MM, männlich, 17

[1]Prof. Kai Niebert, https://www.bpb.de/gesellschaft/umwelt/anthropozaen/216920/wirtschaft-und-wachstum-im-anthropozaen (20.01.2021)

[2]Prof. Dr., Wilfried Häberli, Geowissenschaftler an der Universität Zürich (Geografiestunde Themenwoche Klimawandel 2020)

Der Mensch, der in den Abgrund stürzt

Der moderne Mensch ist vor circa 300‘000 Jahren entstanden. Seitdem besiedelt der Homo sapiens sapiens kontinuierlich die Welt und machte sie zu dem, was sie heute ist. Zum ersten Mal in der Erdgeschichte konnte ein Geschöpf der Natur die Welt so für sich beanspruchen, wie es der Mensch getan hat.

«Hören wir auf damit. Wir sind nicht mehr im Holozän. Wir sind im Anthropozän.»[i] Dies sagte der holländische Atmosphärenchemiker Paul Crutzen im Jahr 2000. Der Begriff Anthropozän kommt aus dem Altgriechischen und bedeutet auf deutsch Zeitalter des Menschen, resp. Epoche, die durch die Spezies Mensch geprägt ist. Wissenschaftler sind zur Erkenntnis gekommen, dass der Mensch eine neue Zeitepoche eingeleitet hat. Der Mensch hat die Erde so verändert, dass er seine eigene Epoche bekommt. Viele Jahre später wird man noch sehen, was der Mensch dem Planeten angetan hat. Die neue, anders entwickelten Sedimente, die entstehen werden, werden nur die Wahrheit erzählen. Dies ist bis jetzt niemandem gelungen. Nie gab es eine Epoche, die nach einem Tier benannt wurde. Doch dies soll keine Ehre dem Menschen einbringen, sondern soll mehr beunruhigend sein. «Ich hoffe, dass der Begriff „Anthropozän“ als Warnung verstanden wird»[ii], meinte Paul Crutzen. Damit hat er recht. Es kann nicht sein, dass ein Geschöpf der Evolution so über die Erde regieren kann. Noch dazu zerstört der Mensch seinen eigenen Planeten.

Seit der Industrialisierung, die anfangs des 19 Jahrhundert begonnen hat, verpestet der Mensch die Luft mit CO2. Der Mensch suchte neue Energiequellen. Er fand Kohle und fossile Brennstoffe wie zum Beispiel Öl. Verbrennt man diese, entstehen grosse Mengen an CO2 aus. Früher wusste man nicht, was dies für Auswirkungen hat, doch jetzt weiss es jeder. Das CO2 lässt die Erde noch mehr erwärmen mit einem noch grösseren Treibhauseffekt. Die ständige Erwärmung lässt Gletscher schmelzen, Waldbrände in Australien sind zum Alltag geworden, und das Meer versauert durch die hohe CO2-Absorption. Durch diese Änderungen verlieren viele Tiere ihren Lebensraum oder sie sind gar nicht an die neuen Wetterlagen angepasst. Es entsteht, wie es Colbert beschreibt, das Sechste Artensterben – und Schuld daran ist der Mensch.

Die Natur ist in ein Ungleichgewicht gekommen und kann sich nicht mehr einpendeln. Der Mensch war früher Teil dieses Gleichgewichts, bis er die Macht ergriff und sich durchsetzte. Der Mensch ist zum riesigen Störfaktor geworden und fängt an, die Erde zu zerstören und so auch sich selbst. Er ist selbst schuld an seinem Untergang, denn der Klimawandel ist durch Menschenhand entstanden, dies ist nicht zu bestreiten.

In der Geschichte der Evolution und Entwicklung gab es schon viele Artensterben. Das Jüngste war vor circa 66 Millionen Jahren. Ein riesiger Asteroid ist auf die Erde gefallen und hat alles in Schutt und Asche gelegt. In dieser Zeit sind alle Dinosaurier ausgestorben. Heute passiert Ähnliches, viele Tiere sterben, aber nicht wegen Naturkatastrophen, nein, wegen dem Menschen. Er hat sich auf der ganzen Welt verbreitet und bringt überall, wo er hingeht, Zerstörung mit. Viele Meerestiere müssen leiden durch die Meeresversauerung, vor allem die Kalktiere, die sich wegen der Säure langsam auflösen. Der Regenwald, ein Ort mit einer riesige Biodiversität, wird einfach abgeholzt, etwa um Palmölplantagen anzulegen, damit jedes Kind am Morgen nicht auf Nutella verzichten muss. Auf der ganzen Welt werden riesige Felder gepflanzt und stehlen so anderen Tieren ihren Lebensraum. Von den 100% Wildnis, die wir am Anfang hatten, sind nur noch 23%[iii] übrig, 4/5 der Erde liegt jetzt in der Macht des Menschen. Zum Vergleich: Vor hundert Jahren war die Erde zu 85% noch unberührt.

Doch mit dem Klimawandel, dem Artensterben hat der Mensch nicht genug. Jetzt verändert er selbst die Natur, indem er sie genetisch modifiziert. Der Mensch spielt nun mit einer noch grösseren Macht, die Natur. Er fing an, Nutzpflanzen mit Genmodifikation zu verändern. Mais wurde so geändert, dass es vom Menschen einfacher zu verdauen ist. In manchen Ländern fängt man an, Lebewesen zu klonen. Ist ein Haustier gestorben, kann man für viel Geld das Tier klonen, doch dies ist aus ethischen Gründen in vielen Ländern verboten worden. Anscheinend kann man sich auch wünschen, welche Augenfarbe das Neugeborene bekommen soll. Doch das geht zu weit. Die Natur hat einen Grund, warum sie so ist. Alles hat einen Grund, der Mensch hat nicht die Erlaubnis, in das Werk einzugreifen.

Irgendwann werden die Nähte platzen, das Fass wird zum Überlaufen gebracht. Kann der Mensch den Klimawandel nicht eindämmen, wird er mit ihm untergehen. Mit ihnen werden viele Tiere sterben. Die Erde wird nicht mehr bewohnbar sein. Doch das macht der Erde nichts aus. Die Sachen, die der Mensch gemacht hat, sind nur ein sehr kleines Stück der Geschichte der Erde. Die Erde ist 4.6 Milliarden Jahre alt. Da werden ihr ein paar hundert Jahre Regeneration nichts ausmachen. Sie wird wieder anfangen, sich aufzubauen, sie wird eine neue Welt erschaffen, aber ohne uns, denn wir haben die ganze Katastrophe ausgelöst.

Wir müssen anfangen zu handeln. Es ist wohl klar, dass es so nicht weitergehen kann. Jeder muss etwas dazu beitragen. Wir mögen jeder für sich nur Kleines beitragen, aber von uns gibt es acht Milliarden. Alle zusammen können und müssen wir etwas bewirken. Doch egal, was wir machen, die Natur wird sowieso gewinnen. Sie wird sich erholen können und Neues aufbauen. Die Frage ist: ohne oder mit uns?

 

Marie Alich, weiblich, 16

[i] Paul Crutzen, zitiert nach Elizabeth Kolbert: Das 6. Sterben. Berlin 2017, S.114).

[ii] Paul Crutzen, zitiert nach Elizabeth Kolbert, National Geographic (NG, Heft 03 / 2011, Seite(n) 64).

[iii] https://www.n-tv.de/wissen/Letzte-Wildnis-verteilt-sich-auf-fuenf-Staaten-article20699267.html (2021.01.14).

 

Um unsere Erde zu retten, müssen wir uns überwinden

Der Klimawandel ist ein allgegenwärtiges Thema. Es wird viel darüber berichtet und diskutiert, sei es in politischen Foren, Unternehmen oder innerhalb der Gesellschaft. Seit Greta Thunberg engagiert sich die Jugend ebenfalls vermehrt für dieses Problem. Trotz den vielen Informationen zum Klimawandel gehen die Meinung auseinander.

Was ist Klimawandel denn genau? «Der Klimawandel ist die Veränderung des Klimas weltweit. Zurzeit beschäftigt uns die Erderwärmung am meisten. Der Klimawandel ist kein neues Phänomen. Er existierte schon immer. Es gab Kälteperioden und Trockenzeiten. Das Problem ist nicht die Veränderung, sondern die rasch ansteigende Jahresdurchschnittstemperatur.» Historische Daten zeigen, dass diese seit der Industrialisierung stetig gestiegen ist, am stärksten in den letzten 20 Jahren. Schuld daran ist der zunehmende Verbrauch von fossilen Brennstoffen. Sowohl Fauna als auch Flora sind nicht in der Lage, sich der rasant verändernden Klimasituation anzupassen. Es kommt zu Artensterben. Die Erderwärmung betrifft die ganze Welt.

Es gibt viele Leute, die den Klimawandel leugnen. Dazu gehört auch Donald Trump. Dieser sagte, es wäre nur Zufall, dass sich neun der zehn wärmsten Jahre seit dem Beginn der Temperaturmessung im 21. Jahrhundert befinden[1]. Daraufhin hat unsere Klasse im Fach Mathematik die Wahrscheinlichkeit seiner Aussage berechnet. Diese beträgt 0.35 * 10-7. Somit können wir schlussfolgern, dass die Erderwärmung der letzten 20 Jahren nicht auf Zufall beruht.

Die Auswirkung des Klimawandels stellt eine grosse Herausforderung für die Menschheit und allen Spezies unsere Erde dar. Zum Beispiel werden laut Herr Häberli, emeritierter Professor für physikalische Geographie an der Universität Zürich und Verfasser mehrere Bücher zum Thema, bis 2050 ein Grossteil aller Gletscher in der Schweiz geschmolzen sein. Auch die Pole leiden unter der Erderwärmung. Schon im Jahr 2015 sagte Brigit Lutz auf einer Expeditionsreise: «Die Eismassen haben sich so weit zurückgezogen, dass der Berg die beiden Gletscher teilt.»[2] Das sind nicht die einzigen Naturkatastrophen, die auf uns zukommen werden. Das Wetter wird durch die Erderwärmung immer unberechenbarer. Das kann zu ausgeprägteren Dürren sowie extremeren Regenzeiten führen.

Wir müssen so schnell wie möglich handeln, damit sich Erde und Natur erholen kann. Auf allen Ebenen wird nach Lösungen gesucht. Das Pariser Abkommen wurde dank internationaler Bemühungen von fast 200 Ländern ratifiziert. Die Vertragspartner müssen bis 2030 ihre Emissionen auf Netto null Prozent reduzieren. Eine grosse Herausforderung stellt der Energiebedarf dar. Auch hier wird nach Lösungen gesucht. In Frankreich zum Beispiel baut die ITER einen Kernfusionsreaktor. Dieser soll eine gigantische Menge an Strom komplett ohne Emissionen erzeugen können. Es gibt schon viele Lösungsansätze, die zu einer umweltschonenderen Zukunft führen könnten.

Der Klimawandel betrifft jeden, somit auch mich. Man weiss nicht, wie sich die Welt verändern wird. David Attenborough wagt in seinem Film «A Life on Our Planet» eine erschreckende Prognose. Laut ihm werden im Jahr 2050 alle Korallenriffe aussterben, die Fischpopulation kollabieren, im Jahr 2080 die Landwirtschaft durch die Übernutzung der Böden weltweit in eine Krise geraten und zudem werden bestäubende Insekten verschwinden. Dieser aufklärende Film hat mir verdeutlicht, wie schön unsere Erde ist und dass die Menschheit alles daran setzten muss, diese Einzigartigkeit so lange wie möglich zu erhalten.

Als ich das Zitat: «Niemand wird gerne an seine Unzulänglichkeiten erinnert. Ein Trick, der vielleicht helfen kann: die eigene ökologische Überlegenheit nicht an die grosse Glocke hängen. … Man soll vor allem von seinem Kampf mit dem inneren Schweinehund (reden)»[3] von Mathias Plüss gelesen habe, machte ich mir Gedanken über meinen eigenen ökologischen Fussabdruck. Einige Sachen mache ich schon gut. Zum einen wohne ich in einem Minergie-Haus. Ich gehe mit dem Fahrrad zur Schule und verursache somit keine Emissionen. Auf der anderen Seite werde ich wohl nicht auf Fleisch verzichten können. Obwohl ich weiss, dass der hohe Fleischkonsum negative Auswirkungen auf das Klima auswirkt. Auch die grosse Plastikproduktion führt zu grossen Umweltschäden, vor allem in den Meeren. Seit ich hörte, dass Coca-Cola, mein Lieblingsgetränk, der grösste Plastikproduzent weltweit ist, versuche ich meinen Konsum zu verringern. Es gibt viele Kleinigkeiten, welche wir optimieren können. Auf der anderen Seite gibt es auch Lösungsvorschläge, welche eine komplette Veränderung fordern. Jedoch können sich nicht alle Menschen dazu überwinden, auf ihren Luxus zu verzichten. Wir müssen uns verändern, um eine schönere Welt für die nächsten

Generationen zu schaffen.

 

VD, männlich, 17

[1] Tagesschau SRF, Trump Donald. 2020,11,06

[2] Lutz, Brigit. 2020,11,21. Nachruf auf die Arktis. Das Magazin N°47. S. 12.

[3] Mathias Plüss: Mit kühlem Kopf gegen eine heisse Welt. 75 Ideen für das Klima (SJW 2019), Eintrag `Reden`.

 
 

Anthropozän – halb so schlimm für die Erde

Dass die Menschen eine eigene Epoche, mit dem Namen Anthropozän, bekommen, überrascht mich eigentlich gar nicht. Wenn ich mir dies jedoch nochmals genau überlege, wirkt es eigentlich sehr egoistisch von uns Meschen. Denn im Unterschied zur restlichen Geschichte der Erde machen wir zeitlich nur einen kleinen Teil aus. Dass wir in so kurzer Zeit einen so negativen Effekt auf die Erde bewirkten, wäre ein Gegenargument. Dennoch ist es nicht das erste Mal, dass Organismen aussterben. Das gab es schon immer. Nur die Ursachen waren andere, wie grosse Katastrophen, die zu einem Artenaussterben führten. Ob durch eine Änderung des Klimas, einen Tsunami oder sogar einen Meteoriteneinschlag. Lebewesen sterben oder passen sich der Natur an.

Nur, dass vor ungefähr sechs Millionen Jahren der moderne Mensch aufgetaucht ist und seitdem vieles für sich beansprucht. Wir Menschen haben einen riesigen Einfluss auf die Erde und hinterlassen lang andauernde Spuren. Wir nutzen viele kostbare Ressourcen wie Erdöl, Kohle und fruchtbares Land. Eines Tages werden diese limitiert verfügbar sein. Wir sind zusätzlich der Grund für den Grossteil des Artensterbens. Denn durch unseren CO2-Ausstoss erwärmt sich das Klima während der letzten Jahre drastisch, was sich negativ auf die Umweltbedingungen für die Tiere auswirkt. Wir beanspruchen viele Lebensräume, die meist viele andere Tierarten behausen. Wir zerstören die Erde und ziehen uns somit den eigenen Boden unter den Füssen weg. Im Unterschied zu anderen Spezies ist der Mensch die einzige Tierart, die sich selbst auslöschen kann. Oder wie Albert Einstein es auf den Punkt brachte: «Der Mensch erfand die Atombombe, doch keine Maus der Welt würde eine Mausefalle konstruieren.»[i] Dieses Zitat erstaunt mich besonders, denn man kann es lächerlich und erniedrigend empfinden, mit einer Maus verglichen zu werden. Es entspricht aber der Wahrheit. Unsere grösste Gefahr sind wir selbst.

Letztens hatte ich mit einem Freund eine Diskussion über Gründe für die Furcht der Menschen vor Ausserirdischen, bzw. vor eine Spezies, die intelligenter ist als der Mensch. Dabei wurden wir uns über den Grund einig, nämlich, dass wir Menschen nur Angst haben, von anderen so behandelt zu werden, wie wir die anderen Lebensformen auf der Erde behandeln. Das ist doch paradox. Ich denke, dass dies ein Problem des Egoismus und der Moral der Menschen ist. Ich frage mich, was Moral überhaupt einem Menschen bedeutet. Gibt es sie oder ist es nur eine Illusion, die sich jeder vormacht, um sich zwischen einem «guten» und «schlechten» Menschen entscheiden zu können? Wenn es nur einen Menschen gäbe, müsste dieser sich nie vor anderen für seine Taten rechtfertigen. Es gäbe zum Beispiel keine Diskussion darüber, welche Tiere als Haustiere und welche als Nahrung dienen. Daher komme ich auch zum Schluss, dass Moral erst in einer Gesellschaft entstehen kann. Im Unterschied zur Moral ist Egoismus ein natürliches Handeln. Denn der Mensch will von Natur aus nur überleben. Darin unterscheidet er sich nicht von anderen Lebewesen. Dies verbinde ich mit einem Zitat: «Wir müssen töten, damit wir leben.»[ii] In verschiedenen naturwissenschaftlichen Fächern haben wir gelernt, dass es nur eine begrenzte Menge an Ressourcen und Energie gibt. Wir können sie umwandeln, jedoch nicht mehr davon erschaffen. Ist das auch mit unserer Erde so? Viele ältere Zivilisationen brachten ihren Göttern Opfer dar. Kann es sein, dass sie den Lauf des Lebens besser als die heutige Zivilisation verstanden haben? Ich weiss zwar nicht, was sich die Menschen früher bei den Opfergaben dachten. Jedoch ist mir bewusst, dass die heutigen Menschen nicht für immer im Überkonsum leben können. Dazu gefällt mir das Zitat: «Nehmen und Geben – das ist das Leben.»[iii] Jedoch muss sich die Gesellschaft mehr auf das «Geben» fokussieren, um auf der Erde weiterhin leben zu können. Ein Problem ist auch, dass Menschen viele Dinge erst zu spät bemerken. Albert Einstein war für die Entdeckung der Atombombe mitverantwortlich, aber bemerkte erst im Nachhinein deren Schaden. Vielleicht war er sich der Gefahr auch bewusst, aber sein Ego wollte es nicht einsehen. Eine Antwort, die er angeblich auf die Frage, mit welchen Waffen der Dritte Weltkrieg geführt werde, gab, beindruckte und schockierte mich zugleich: «Ich bin [mir] nicht sicher, mit welchen Waffen der dritte Weltkrieg ausgetragen wird, aber im vierten Weltkrieg werden sie mit Stöcken und Steinen kämpfen.»[iv] Der Aussage Einsteins, dass die Menschen in der Lage sind, sich selbst auszulöschen, schliesse ich mich an.

Eine andere Überlegung von mir ist, dass jede Epoche einen Anfang und ein Ende hat. Wenn wir Menschen eine eigene Epoche haben, sehen wir somit bereits das Ende der Menschheit kommen? Ich denke, dass viele Leute sich der Sache bewusst sind, und daher Menschen wie Elon Musk mit SpaceX das Ziel haben, den Mars zu kolonisieren. Weshalb so viel Geld und Ressourcen für einen anderen Planeten verwenden, anstatt einfach die Erde zu retten? Dadurch wurde mir bewusst, dass es den meisten Menschen gar nicht um die Rettung des Planeten geht, sondern nur indirekt. Wir Menschen haben momentan nur die Erde, daher sind wir auch von ihr abhängig. Wenn jedoch andere Planeten bewohnbar werden, wie das in Science Fiction-Filme dargestellt wird, werden wir Menschen überhaupt noch auf die Erde achten oder in der Zukunft von Planet zu Planet ziehen? Jetzt brauchen wir die Erde noch, aber sie uns nicht. Nach dem Untergang der Menschheit würde die Erde weiterhin bestehen, vielleicht sogar belebter oder als ein Planet ohne intelligente Lebensformen wie der Mars.

Ich bin der Auffassung, dass wir die Erde für uns nur durch Verzicht in dem von uns gewünschten Zustand erhalten können. Durch einen Kauf von einem E-Auto werden nur neue Probleme wie die energieaufwändige Herstellung und den Abbau geschaffen. Hier müssen wir Menschen auf unsere Gier verzichten. Denn wir sind eine moderne Gesellschaft und können nach Moral handeln, um uns und weitere Generationen zukünftig ein Leben auf der Erde zu ermöglichen.

 

PE, männlich, 17

 

[i] Einstein Albert: Ingenieur https://www.ingenieur.de/technik/fachbereiche/rekorde/albert-einstein-beste-zitate/ (Abgerufen: 13.1.2021)

[ii] Einstein Albert: Zeitzeichen. https://www.ingenieur.de/technik/fachbereiche/rekorde/albert-einstein-beste-zitate/ (Abgerufen: 13.1.2021)

[iii]Unbekannt: Aphorismen. https://www.aphorismen.de/zitat/51639  (Abgerufen: 13.1.2021)

[iv]Einstein Albert: Wikipedia. https://de.wikipedia.org/wiki/Dritter_Weltkrieg#:~:text=Albert%20Einstein%20antwortete%20auf%20die,mit%20St%C3%B6cken%20und%20Steinen%20k%C3%A4mpfen (Abgerufen: 13.1.2021)