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Lebens-Lauf

 

Für wen läufst du?», fragte er. Wie bitte? Für wen ich lief? Was war denn das für eine Frage?

«Ich laufe für mich. Für wen sonst?», hab ich gesagt und ich bin stehen geblieben.

«Nein, ich meine, für welche Mannschaft.»

«Für keine Mannschaft.»

«Verstehe.» Er hat zur Bahn rüber geschaut. «Und wer hat dich trainiert? Jemand muss mit dir trainiert haben, wenn du so schnell bist.»

«Niemand. Ich kann einfach rennen.»

 

Der afroamerikanische Junge Castle Cranshaw kommt aus schwierigen familiären und sozialen Verhältnissen. Sein Vater sitzt wegen einer Straftat im Gefängnis, die Castle immer wieder in seinen Erinnerungen einholt. Sie ist auch der Grund, weshalb Castle so schnell rennen kann. Denn in jener Nacht, an welche er sich lebenslänglich erinnern wird, ist er um sein Leben gerannt.CastlesMutter arbeitet tagsüber sehr hart in einem Krankenhaus und versucht sich abends zuhause das Wissen anzueignen, um selbst mal Krankenschwester zu werden.

Castle ist ein Einzelgänger und gerät in der Schule immer wieder in Konflikte. Er gibt für einen Schüler namens Brandon Simmons ein geeignetes Mobbingziel ab und merkt, dass er in vielen Dingen anders ist als die anderen Schüler in seinem Alter.

«Aber eigentlich gibt es nur eine Person, vor der ich Angst hab – ausser meiner Mutter…ich meine, ich weiss, dass ich manchmal Dinge tue, die nicht cool sind wie Brandon verprügeln zum Beispiel, aber obwohl ich genau weiss, dass sie nicht cool sind, mach ich sie plötzlich trotzdem, wissen Sie. Deshalb… also, die einzige Person, vor der ich richtig Angst habe, das … bin vermutlich ich selbst.»

 

Sein Leben nimmt eine abrupte Wende, als er eines Tages nach der Schule einer Gruppe von Schülern beim Lauftraining zusieht undden überraschten Trainer schnoddrig mit seinen läuferischen Qualitäten beeindruckt. Denn Laufen interessiert Castle eigentlich nicht: Laufen kann man einfach, lautet sein Urteil.

Castle wird trotz seiner anfänglichen Skepsis in die Laufgruppe aufgenommen und erfährt zum ersten Mal in seinem Leben, wie es sich anfühlt, Freundschaften zu knüpfen.

Jeder und jede in der Gruppe wie auch der Trainer haben ein Geheimnis, weshalb sie dem Laufsport zugetan sind, was bei einem gemeinsamen Abendessen ans Licht kommt.

In den USA hat Sport einen deutlich höheren Stellen

 

 

 

 

Der afroamerikanische Autor Jason Reynolds ist ein sehr bekannter Jugendbuchautor und Dichter und lebt in Maryland in den USA.

Der Roman Ghost wurde 2016 sehrpackend geschrieben. Der Autor gelangte mit seinem Werk unter die National Book Award Finalists, in Deutschland erhielt er den Luchs des Jahres von DIE ZEIT und Radio Bremen.  Man kann sich als Jugendlicher jedoch auch als Erwachsener, wenn man sich an seine eigene Jugend zurück erinnert, dank den Dialogen und detaillierten Beobachtungen sehr gut in die Lage des Ich-Erzählers Castle Cranshaw hineinversetzen. Der Erzähler wendet sich dabei auch immer wieder an den Leser und bezieht den Leser als Beobachter ins Geschehen mit ein.

Die Lektüre lässt sich sehr flüssig lesen, regt aber immer wieder zum Nachdenken an, weil der Junge nur dank eines Zufalls in seinem traurigen Alltag plötzlich Zusammenhalt und Freundschaft kennenlernen darf. Die einzelnen Charaktere sind bildhaft gezeichnet und die Beziehungen, die in der Laufgemeinschaft entstehen, werden behutsam entwickelt.Das Buch hat auch Längen; der Autor überbrückt diese jedoch geschickt mit seinen humorvollen, bildhaften Beschreibungen. Insgesamt ist es eine unterhaltsame, realitätsbezogene Jugendlektüre, die sich zu lesen lohnt.

 

N.F. (männlich, 13)

 

Jason Reynolds: Ghost (erschienen im dtv Verlag, 2016). Aus dem Englischen übersetzt von Anja Hansen-Schmidt.

 

Ich bestätige hiermit, dass es in diesem Text keine wörtlich aus dem Internet übernommene Passagen gibt- ausser sie sind als Zitate gekennzeichnet