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Ein Jugendroman voller Trauer, Liebe und Hoffnung, der noch lange zum Nachdenken anregt 

 

Eine Brieffreundschaft mit jemandem, den man täglich sieht, doch man weiss es nicht? Geht das überhaupt und zu welchen Verwicklungen würde das führen? Genau darum geht es im Liebesroman «Der Himmel in deinen Worten» von Birgid Kemmerer. Seine Form ist dadurch sehr speziell, denn er ist teilweise in Briefform verfasst. 

Die Hauptperson, Juliet Young, schreibt regelmässig Briefe an ihre verstorbene Mutter, die bei einem Autounfall ums Leben gekommen ist. Diese legt sie immer auf das Grab, welches sie fast täglich besucht. Eines Tages findet der als vorbestrafter Loser abgestempelte Declan Murphy, der seine Sozialstunden auf dem Friedhof abarbeiten muss, einen von Juliets Briefen und antwortet spontan darauf, da er sich verstanden fühlt. Juliet ist am Anfang ausser sich, denn sie fühlt sich ihrer Privatsphäre beraubt. Um ihm gehörig die Meinung zu sagen, schreibt sie dem Unbekannten erneut einen Brief. So entwickelt sich nach und nach eine Art Brieffreundschaft. Später schreiben sie sich Mails mit den anonymen Namen «Cemetery Girl» und «The Dark». Auf diese Art vertrauen sie sich Geheimnisse an und sprechen über Gefühle, Familie und Schule, obwohl keiner weiss, mit wem er eigentlich schreibt. Sie fühlen sich verstanden, da beide einen geliebten Menschen verloren haben. 

Diese Nachrichten werden immer am Anfang eines Kapitels dargestellt. Wie es im Alltag von Juliet und Declan so aussieht, erfährt man immer nach der Nachricht für eine der beiden Personen. So lernt man manchmal die Gedanken zum Mail des anderen kennen oder man bekommt einen Einblick in das Leben einer der beiden Personen. Pro Kapitel steht nämlich immer entweder Juliet oder Declan im Vordergrund. Damit sieht man, was alles im realen Leben passiert. Sie kennen sie sich nur von der Schule, doch dort verstehen sich die beiden überhaupt nicht. 

Juliet sieht Declan, wie alle anderen Schüler auch, als vorbestraften Loser. Als ob die schwierige Situation, mit ihrer eigenen Trauer und der Trauer ihres Vaters umzugehen, nicht genug wäre, kommt es vermehrt zu Auseinandersetzungen zwischen ihr und Declan, welcher jedoch auch kein einfaches Leben hat. Während sich dessen Mutter kaum für ihn interessiert, wird er von seinem Stiefvater dauernd runtergemacht und beschimpft. Declans richtiger Vater ist im Gefängnis, da er betrunken einen Autounfall gemacht hat, bei dem seine Tochter, Declans Schwester, ums Leben gekommen ist. 

Spannend ist auch zu sehen, wie Declan als «The Dark» reagiert, als Juliet ihm via Mail alle ihre Probleme mit Declan anvertraut, da Declan und «The Dark» ja ein und dieselbe Person sind. Declan weiss nämlich ab etwa der Mitte des Buches, wer am anderen Ende schreibt, da er dies zufällig auf einer Schulparty erfahren hat. Juliet hat auch eine Vermutung, mit wem sie schreibt, da es immer mehr Gemeinsamkeiten zwischen «The Dark» und Declan gibt, doch beide geniessen ihre Anonymität und wollen es nicht wahrhaben. Irgendwann ist es aber so offensichtlich und sie müssen der Wahrheit ins Auge sehen. Das Buch endet aber schliesslich doch mit einem Kuss. 

Der Roman lässt sich sehr leicht lesen, obwohl er schwierige Themen wie Depressionen, Trauer, Vorurteile, Vertrauen, Familie und natürlich Liebe aufgreift. Dass immer abwechslungsweise aus der Sicht von Juliet und Declan geschrieben ist, ist nur am Anfang ein wenig kompliziert, da man bei den Briefen nicht genau weiss, wer sie geschrieben hat, weil sie keine Anrede haben und nicht unterschrieben sind. Man muss auch das System zuerst entdecken, dass immer der, der gerade aus seinem Leben berichtet hat, den Brief oder die Mail am Anfang des nächsten Kapitels schreibt. Die Spannung fehlt am Anfang jedoch ein bisschen, da einfach vom normalen Alltag eines 17-jährigen Jugendlichen erzählt wird. Die Spannung steigt dafür ab etwa der Mitte des Buches umso mehr, da immer neue Ereignisse passieren. Es ist unglaublich, dass sich dieselben Menschen in der virtuellen Welt so gut verstehen und es im realen Leben nur so von Konflikten wimmelt. Der Roman ist auch eine richtige Gefühlsachterbahn. Man meint, dass sie sich in der Schule nun endlich gut verstehen, doch dann passiert etwas, was die beiden wieder weit auseinanderbringt. Man kann sich auch sehr gut in die Personen hinversetzen, da alles sehr genau beschrieben wird, und viele Gefühle vorkommen. Eine Kritikerin im Internet meint: «Eine traurige Geschichte, die jedoch voller Hoffnung ist, zum Nachdenken anregt und noch lange nachwirkt!» 

 

Birgid Kemmerer: Der Himmel in deinen Worten. Harper Collins, 2017. Aus dem Amerikanischen übersetzt von Henriette Zeltner. 

 

Ich bestätige hiermit, dass es in diesem Text keine wörtlich aus dem Internet übernommenen Passagen gibt - ausser sie sind als Zitate gekennzeichnet. 

 

Geschrieben von C. K. (weiblich, 14)