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Wie benennt man eine neue Epoche, oder wie bestimmt man überhaupt, wenn eine neue Epoche anbricht? Mit diesen Problemen hat der Begriff des Anthropozäns zu kämpfen.

 

Im Jahre 2000 wurde der Begriff Anthropozän während einer Tagung (IGBP) von dem Atmosphärenchemiker und Nobelpreisträger Paul J. Crutzen verwendet. Dieser teilte mit, dass er die Bezeichnung Holozän für die jetzige Epoche nicht mehr akzeptieren konnte und darum den Begriff Anthropozän verwenden werde. 2002 erschien dann sein kurzer Essay «The Geology of Mankind» im Magazin Nature. Darin argumentiert Crutzen, dass es nötig sei, von einer neuen geologischen Epoche, dem Anthropozän, zu sprechen, da das menschliche Handeln auf die globale Umwelt einen enormen Einfluss genommen hat. Crutzen war aber nicht der Einzige, der diesen Begriff nutze. Eugene F. Stoerme nutze ihn ebenfalls, unabhängig von Crutzen, dies aber etwa zur gleichen Zeit. Wer ihnen aber zuvorkam, war der Geologe Antonio Stoppani, der den Begriff schon 1873 in einer ähnlichen Idee formuliert hat, wobei er den Ausdruck Anthropozän Ära vorschlug. Den bereits damals sah Stoppani die menschliche Aktivität als neue tellurische Kraft, also die Erde betreffend, die in ihrer Macht mit den anderen grösseren Kräften der Erde verglichen werden kann. Daraufhin formulierte der Biologe Hubert Markl 1995 den Begriff Anthropozoikum als erdgeschichtliche Periode, die von der Existenz des Menschen geprägt ist. Andere Wissenschaftler nutzen dabei die Begriffe Psychozoikum (die Zeit menschlicher Intelligenz) und Noösphäre (die Welt der Gedanken). Daraus kann man nun schliessen, dass weder die Idee noch der Begriff komplett neu ist, doch Crutzen ist es gelungen, den Begriff wieder ins Bewusstsein der Leute zu holen.

Betrachtet man nun das ganze Geschehen aus naturwissenschaftlicher Sicht, ist das Problem nicht einfach lösbar durch das Erstellen eines Begriffes für eine Epoche. Vielmehr ist es notwendig, dieses Geschehen innerhalb der geologischen Schichten nachzuweisen, um eine neue geologische Epoche zu bestimmen und diese dann somit vom Rest abzugrenzen. Als Nachweis dienen dabei zum Beispiel Metall, verlegte Pipelines, Beton, Ziegel oder Glas unserer Städte oder auch DNA der 1960er Generation, welche durch Atomversuche verändert wurden. Dabei wird behauptet, dass der Mensch die derzeit grösste Kraft der Erdumwälzung darstellt, da mehr Masse durch menschliches Eingreifen bewegt wird als durch natürliche Vorgänge, wie zum Beispiel Erdbeben.
Hierbei werden aber unterschiedliche Zeitpunkte des Beginns des Anthropozäns diskutiert. Zur Debatte stehen dabei: Die Zeit nach dem 2. Weltkrieg, verbunden mit der Grossen Beschleunigung, welche somit um 1945 als Abgrenzung dient. Der Beginn der Domestikation von Pflanzen und Tieren, sowie der Sesshaftwerdung der Menschen. Und der Letzte Zeitpunkt ist der von Crutzen & Stoermer vertretene, welcher den Beginn des Anthropozäns mit dem, der industriellen Revolution 1800 und der damaligen Erfindung der Dampfmaschine in Grossbritannien gleichstellt. Dabei dienen Eisbohrkerne als Nachweise, welche eine Erhöhung der CO2 und Methan-Werte in der Atmosphäre beinhalten. Diese Idee ist mit den Annahmen über den Begin des beschleunigten Klimawandels deckend.

 

Nun stellt sich aber die Frage, wieso bisher die geologische Epoche Anthropozän nicht anerkannt wurde? Die Anerkennung einer geologischen Epoche setzt eine Verifizierung durch die International Commission on Stratigraphy (ICS) voraus. Diese ist aber noch nicht geschehen, da man dafür eine Arbeitsgruppe aus 37 Teilnehmern ernannt hat, welche über die Verifizierung entscheiden sollte. Diese konnte sich hinsichtlich der Sinnhaftigkeit des Begriffs noch nicht einigen. Somit steht die Verifizierung noch zur Debatte, der Nutzung des Begriffs Anthropozän hingegen steht nichts im Wege.

Konzeptionelle und historische Perspektiven des Anthropozäns
Quelle: Eva Horn et al. (2019) Anthropozän, Junius Verlag GmbH, Hamburg, S.28f
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Zunahme der Kohlenstoffdioxid- und Methanwerte