Charles Darwin

Der damals 22-jährige Darwin schloss sein Studium in Cambridge ab. Als er ein Angebot von FitzRoy, dem Kapitän der HMS Beagle, bekam, um mit ihm auf eine Fahrt nach Südamerika zu kommen, zögerte er keinen Moment. Die Aufgabe dieser Expedition war es, die Küste Südamerikas zu vermessen und Diskrepanzen auf den jetzigen Karten zu beheben.

 

Kurz vor der Abfahrt wurde Darwin der erste Band von Lyells "Principles of Geology" von FitzRoy geschenkt. Die Expedition könnte man also auch als die Zeit bezeichnen, bei der Darwin Lyell entdeckte. Trotz seiner starken Seekrankheit las er dessen Werk aufmerksam durch.

 

Eine zentrale These in Lyells Buch war, dass sich manche Gebiete der Erde erheben, während sich andere senken.

Auf der Insel St. Jago – heutiges Santiago – bestätigte Darwin Lyells Theorie. Die Insel war klar vulkanischen Ursprungs, passte aber nicht ins Register einer ursprünglichen Vulkaninsel. Darwin fielen vor allem die weissen Kalksteinschichten auf halber Höhe der Klippen auf. Gemäss Darwin liess sich das nur durch die Hebung des Land erklären.

 

Als Darwin in Chile ankam und sich nach einer Wanderung ins Landesinnere ausruhte, spürte er ein Erdbeben. Damals wusste er noch nicht genau, was es war. Als er Tage später in einer nahegelegenen Ortschaft ankam, war alles dem Erdboden gleich. Als die Gruppe später die Küste vermass, stellte sie fest, dass sich das Ufer um ganze zwei Meter gehoben. Auch hier hatte sich Lyells Theorie auf eine spektakuläre Art und Weise bewiesen.

 

Je mehr Darwin die Welt entdeckte, umso mehr wurden Lyells Thesen klarer.

 

Die erste grosse Entdeckung, die von Darwin kam, befasste sich mit Korallenriffen. Darwin erkannte ein Zusammenspiel zwischen Biologie und Geologie. Wenn sich nämlich an einer absinkenden Insel ein Riff bildet, behalten die Riffe ihre relative Position im Wasser, indem sie nach oben wachsen. Seine These ging noch weiter, denn er fand ebenfalls heraus, dass wenn eine Insel komplett versank, ein Atoll zurückblieb. Ein Atoll ist ein ring-förmiges Riff, in der Regel ein Korallenriff, das eine Lagune umschließt.

Die Annahmen von Darwin ging weit über Lyells Thesen hinaus, doch war sie so grundlegend von Lyell geprägt, das Lyell daran Freude entwickelte. Die Wissenschaftler befreundeten sich.

 

Auf seinen Reisen stellte Darwin die Theorie zur natürlichen Zuchtwahl auf. Erneut ging Darwin wieder im lyellischen Sinne über Lyells annahmen heraus. Für Darwin war klar, dass auch die organische Welt in ständiger Bewegung ist, ähnlich also wie die anorganische Welt. Er erkannte jedoch, dass dieser Prozess unendlich langsam vonstattengehen muss, doch dennoch ist er im Gang. Immer und überall.

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Reise von Darwin (von 27.12.1831 bis zum 02.10.1836)

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Chrles Lyell

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Riesenalk

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Portrait von Charles Darwin

Darwin hat dies sehr schön in seinem Tagebuch formuliert: "Man kann figürlich sagen, die natürliche Zuchtwahl sei täglich und stündlich durch die ganze Welt beschäftigt, eine jede, auch die geringste Abänderung zu Prüfung, sie zu verwerfen, wenn sie schlecht, und sie zu erhalten und zu vermehren, wenn sie gut ist. Still und unmerkbar ist sie überall und allezeit, wo sich die Gelegenheit darbietet, mit der Vervollkommnung eines jeden organischen Wesens in Bezug auf dessen organische und unorganische Lebensbedingungen beschäftigt."

 

Lyell konnte sich dieses Mal nicht mit Darwins These anfreunden. Seine Haltung war sogar so ignorant, dass dies schlussendlich ihre Freundschaft kostete. Dennoch darf man nicht vergessen: Ohne Lyell hätte es vermutlich auch kein Darwin gegeben.

 

Darwin liess sich dennoch nicht beeindrucken, denn er glaubte fest ein seine These. Das Gute an Darwins These ist, dass sich auch gleich das Aussterben einer Rasse beschreibt. Das Auftauchen neuer und Verschwinden alter Arten sei stark miteinander gekoppelt. Denn beides wird vom Kampf ums Dasein angetrieben. Die stärkste/fitteste/schlauste Art wird belohnt und die schwächste/dümmste Art wird immer weiter dezimiert, da sie sich nicht behaupten kaum, bis sie schliesslich aussstirbt.

 

Auf die Einfachheit seiner Theorie war Darwin sehr stolz. Denn mit seiner Theorie lässt sich alles erklären, ohne irgendwelche Spekulationen über Naturkatastrophen einzugehen. Das Einzige, was gegeben sein muss, ist, dass die beiden Prozesse etwa gleich schnell von-stattengehen müssen.

 

Darwin war es wichtig zu wissen, dass niemand die Entstehung einer neuen Spezies erlebt hat oder je erleben wird. Die Artenbildung ist ein langwieriger Prozess, welchen man nicht beobachten kann. Demnach ist das Verschwinden einer Spezis fast noch schwieriger zu beobachten.

Doch genau das war nicht der Fall. In den Jahren, als Darwin seine Gedanken veröffentlichte, wurden die Riesenalks ausgerottet.