Breitengradient des Artenreichtums

Gut zu erkennen ist, dass je weiter man sich vom Nordpol zum Äquator hinbewegt, umso mehr nimmt die Vielfalt der Bäume zu. Doch die Fülle an verschiedenen Arten von Bäumen betrifft nicht nur die Pflanzenwelt, sondern Vögel, Schmetterlinge, Frösche und alle weiteren erdenkbaren Tiere. Wie man auf der Reise sicherlich bemerkt hat, war die Anzahl verschiedener Arten von Bäumen im Norden um einiges geringer als hier in Ostperu nahe dem Äquator. Es lässt sich sagen, dass die Artenvielfalt an den Polen am geringsten und in den unteren Breitengraden am höchsten ist. Dieses Phänomen wird in der Fachsprache ebenfalls als Breitengradient des Artenreichtums bezeichnet. Der Naturforscher Alexander von Humboldt entdeckte dieses äusserst interessante Muster. 

Pflanzenvielfalt am Äquator

Weshalb das so ist, weiss bis heute noch niemand, auch wenn über dreissig Thesen versuchen, das Phänomen zu erklären:

Eine These besagt, dass wegen den hohen Temperaturen in den Tropen die Evolutionsuhr schneller tickt. Bauern können in diesen Gebieten mehr Ernten pro Jahr einnehmen und genauso bringen Organismen, mehr Generationen hervor. Das führt zu einer höheren Chance auf Mutation, wodurch auch die Wahrscheinlichkeit steigt, dass neue Spezies entstehen.

Nach einer weiteren These ist die hohe Artenvielfalt auf die starke Spezialisierung der Arten zurückzuführen. In den Tropen bleiben die Temperaturen über das Jahr verteilt relativ gleich. Trotzdem ändert sich die durchschnittliche Jahrestemperatur, je nach Lage (Berg oder Täler) um mehrere Grad-Celsius. Die Populationen werden leichter isoliert und spezialisieren sich auf ein gewisses Gebiet, also eine bestimmte Jahrestemperatur, was zur Entstehung von neuen Arten führt.

Bei einer dritten These ist das Alter der Tropen der entscheidende Faktor. Diese existieren nämlich in irgendeiner Form schon seit vielen Millionen Jahren, wodurch sie viel Zeit hatten eine grosse Artenvielfalt zu entwickeln. Kanada war im Gegensatz dazu vor zwanzigtausend Jahren fast vollständig von einer kilometerdicken Eisschicht bedeckt. Diese Theorie geht auf Alfred Russel Wallace zurück, der sagte, dass in den Tropen die Evolution freie Bahn hatte, während sie in den eisigen Regionen zu kämpfen hatte. Ebenfalls eine wichtige und prägende Person in der Evolutionstheorie war Charles Darwin.

Eine vierte These vertritt, dass die hohe Artenvielfalt durch die starke Besiedelung der Tropen zurückzuführen ist. Dort ist so gut wie jedes verfügbare Plätzchen an Licht und Luft bedeckt. Dadurch entsteht eine grosse Konkurrenz um die verfügbaren Ressourcen. Laut dieser These führte diese starke Konkurrenz zu einer stärkeren Spezialisierung der Arten und somit entstanden neue Arten.

Artenvielfalt der Pflanzen.jpg

Verteilung der Artenvielfalt auf der Erde 

Quelle: uni-bonn.de