Eine ausserirdische Lehmschicht

Wie ein wenig Dreck die Wissenschaft durcheinander brachte

In der kleinen Ortschaft Gubbio in der italienischen Region Umbrien befindet sich die Schlucht «Gola del Bottacione». Zunächst ganz unspektakulär, verbirgt sich im Gestein eine Lehmschicht, die die Welt der Geologie auf den Kopf gestellt hat: Sie ist der Beweis dafür, dass ein Asteroideneinschlag vor 66 Millionen Jahren auf einen Schlag 75% aller Pflanzen- und Tierarten auf der Erde ausgelöscht hat.

Die Bedeutung dieser Lehmschicht entdeckte der Geologe Walter Alvarez, als er gemeinsam mit seiner italienischen Kollegin Isabelle Premoli Silva die darüber- und darunterliegenden Gesteinsschichten analysierte. Die beiden entdeckten, dass in der unteren Schicht eine viel grössere Anzahl kleiner, versteinerter Meeres-lebewesen zu finden war als in der oberen Schicht. Dort waren die Tiere erstens insgesamt kleiner und ausserdem fanden sich weniger verschiedene Arten. Und dazwischen lag diese merkwürdige Lehmschicht.

Es zeigte sich ein ‘Vor’ und ein ‘Nach’ der Lehmschicht und Alvarez’ Neugier war geweckt.

Gemeinsam mit seinem Vater, dem Physik-Nobelpreisträger Luis Alvarez, entwickelte er verschiedene Hypothesen und veranlasste schliesslich eine Iridiummessung der Lehmschicht aus Gubbio.

1980 veröffentlichen Vater und Sohn Alvarez in der Zeitschrift Science ihre Hypothese im Artikel Extraterrestrial Cause for the Cretaceous-Tertiary Extinction. Und lösten damit einen Sturm der Entrüstung aus.

Luis_Walter_Alvarez.png
Foraminiferen_Kreidezeit_Tertiär.png

Abb. 1.1: Walter und Luis Alvarez bei der Lehmschicht in der Gola del Bottaccione bei Gubbio

http://nautil.us/issue/32/space/the-day-the-mesozoic-died Stand 21.11.2020

Abb 1.2: Unterschiede in der Artenvielfalt der Ammoniten 

http://nautil.us/issue/32/space/the-day-the-mesozoic-died Stand 21.11.2020